Wenn Sie nach „Vollformatobjektiv an Mittelformatkamera“ gesucht haben, sind Sie wahrscheinlich auf eine Flut widersprüchlicher Antworten gestoßen. Auf dem Papier sollte es nicht funktionieren — ein Vollformatobjektiv ist für einen kleineren Sensor als den Fujifilm GFX gebaut. Dennoch haben viele Filmer den SIRUI IronStar an GFX-Gehäusen verwendet, ohne Vignettierung zu bemerken. Was passiert also tatsächlich?
Die kurze Antwort: Es ist eigentlich kein „Vollformatobjektiv vs. Mittelformat“-Problem. Es ist ein Bildkreisproblem — und die SIRUI IronStar Anamorphic Cine Lens Serie wurde mit einem größeren Bildkreis als die meisten anderen entwickelt.
Was „Vollformatobjektiv“ tatsächlich bedeutet — und warum das irreführend ist
Vollformatobjektiv ≠ Bildkreis in Vollformatgröße
Die Bezeichnung „Vollformatobjektiv“ beschreibt das Sensorformat, für das ein Objektiv vermarktet wird, nicht die physische Größe des projizierten Bildes. Jedes Objektiv wirft einen kreisförmigen Bildkreis auf die Sensorebene, und der Sensor nimmt nur ein rechteckiges Ausschnitt dieses Kreises auf. Die meisten Vollformatobjektive sind so konstruiert, dass dieser Kreis gerade etwas größer als die Diagonale eines Vollformatsensors ist, da ein größerer Bildkreis Größe, Gewicht und Kosten erhöht, ohne auf dieser Kamera einen Vorteil zu bringen. „Vollformatobjektiv“ bedeutet also eigentlich nur „Bildkreis in Vollformatgröße“ — nicht mehr. Diese Unterscheidung ist der Grund, warum IronStar seine eigene Kategorie überschreiten kann.
Vollformat vs. Mittelformat: Sensorgröße und Bildkreis
Fujifilm GFX-Sensorgröße vs. Standard-Vollformat — warum die Abdeckung nicht ausreicht
Ein Standard-Vollformatsensor misst ungefähr 36 × 24 mm, mit einer Diagonale von etwa 43,3 mm — daher zielen die meisten Vollformatoptiken (Sony GM, Canon RF L, Nikon S und ähnliche Serien) auf einen Bildkreis von rund 44 mm ab. Das reicht für ihr eigenes Format, mit kaum Spielraum. Fujifilm GFX-Kameras sind eine andere Geschichte. Der Sensor der GFX100 II misst etwa 43,8 × 32,9 mm, mit einer Diagonale von circa 54,8 mm. Um diesen vollständig abzudecken, müsste ein Objektiv theoretisch einen Bildkreis von fast 55 mm haben — über 10 mm größer als bei typischen Vollformatobjektiven. Diese Lücke ist der Grund, warum die meisten Vollformatgläser bei der Adaptierung an GFX stark vignettieren oder mechanisch hart beschnitten werden.
SIRUI IronStars 46-mm-Bildkreis — und warum er nicht 54,8 mm erreichen muss
SIRUI veröffentlicht den Bildkreis des IronStar mit 46 mm — deutlich größer als die ~44 mm Norm für Vollformatobjektive, und SIRUI bewirbt ihn als Abdeckung für „Vollformat und sogar Großformatkameras.“ Das liegt zwar auf dem Papier noch unter dem vollen 54,8 mm Diagonalmaß des GFX-Sensors. Aber zwei Dinge bezüglich der tatsächlichen Nutzung des GFX im Video sowie das eigene Design des IronStar als anamorphotisches Objektiv schließen diese Lücke in der Praxis — genau das wird im nächsten Abschnitt erklärt.
Kann ein Vollformatobjektiv Mittelformat abdecken? Drei Gründe, warum IronStar funktioniert
GFX-Video-Modi nutzen nicht den gesamten Sensor (Open Gate, 16:9, DCI, 2,39:1)
Sehr wenige Video-Workflows auf GFX-Kameras nutzen tatsächlich den gesamten Sensorbereich von 43,8 × 32,9 mm. Formate wie Open Gate, 16:9, DCI und 2,39:1 schneiden alle in den Sensor hinein, anstatt ihn komplett auszulesen, und anamorphotisches Filmen schneidet noch weiter zu. Das praktische Ergebnis: Der Bereich, den ein Objektiv bei Videoaufnahmen auf einer GFX-Kamera tatsächlich abdecken muss, ist deutlich kleiner als die theoretische Diagonale von 54,8 mm — oft klein genug, dass ein 46mm Bildkreis problemlos ausreicht.
IronStar ist ein anamorphotisches Objektiv — das Entspreizen schneidet den Bildausschnitt weiter zu
IronStar ist ein 1,5x Vollformat-Anamorphot und anamorphe Optiken sind nicht wie Standard-Sphärenobjektive konstruiert. Das Filmmaterial wird typischerweise in einem zusammengedrückten Format aufgenommen — 6:5, 3:2 oder Open Gate — und dann in der Postproduktion um den Faktor 1,5 entspreizt, um ein breites, kinoreifes 2,39:1-Bild zu erhalten. Da dieser finale Bildausschnitt viel breiter als hoch ist, gelangen die extremen Ecken des Sensors einfach nie ins fertige Bild. Selbst wenn der 46mm Bildkreis der IronStar technisch gesehen nicht die absoluten Ecken des Sensors abdeckt, waren diese Ecken von Anfang an nicht Teil der Aufnahme.
SIRUIs eigener Anspruch auf „großformatkompatibles“ Design
SIRUI betrachtet dies nicht als Zufall. Das IronStar-Datenblatt listet explizit einen 46mm Bildkreis und beschreibt das Objektiv als großformatkompatibel, ohne Vignettierung und ohne Zuschneiden in den vorgesehenen Aufnahmemodi. Das ist eine bewusste Designentscheidung — IronStar wurde von Anfang an mit mehr Abdeckungsreserve gebaut, als ein typisches Vollformatobjektiv benötigt, damit es über sein natives Format hinausgehen kann.
SIRUI IronStar auf GFX100 II — Kein Vignettieren, kein Zuschneiden
Warum reale Tests saubere Ergebnisse zeigen
In der Praxis lässt das Filmen mit der IronStar auf der GFX100 II im Open Gate-Modus und das Zuschneiden auf ein anamorphotisches 2,39:1-Format viel Spielraum — die Ecken, die theoretisch außerhalb des 46mm Bildkreises liegen würden, sind einfach nicht Teil des finalen Bildausschnitts. Rezensenten und Early Adopters, die mit der Handkamera unterwegs sind, Produktnahaufnahmen und weite Einstellungsaufnahmen machen, berichten von gleichmäßiger Ausleuchtung von Ecke zu Ecke, ohne sichtbaren Helligkeitsabfall oder die Notwendigkeit, im Schnitt reinzuzoomen.
Abschließende Gedanken
Dass SIRUI IronStar sauber an Fujifilm GFX-Kameras funktioniert, ist kein Schlupfloch oder Zufall – es ist das Ergebnis eines überdurchschnittlich großen 46mm Bildkreises, der auf einen Aufnahme-Workflow (anamorphotisch, gecroppte Videoformate) trifft, der das Objektiv nie zwingt, die vollen Sensor-Ecken abzudecken. Das Verständnis des Bildkreises, nicht nur des „Vollformat“-Labels, ist der Schlüssel, um zu wissen, wann ein Objektiv wie dieses formatübergreifend ohne Kompromisse funktioniert.
FAQ
Ist IronStar ein Mittelformat-Objektiv?
Nein. IronStar ist als Vollformat-Anamorphot-Cine-Objektiv konzipiert und vermarktet. Sein 46mm Bildkreis ist größer als bei typischen Vollformat-Optiken, was ihm genug Abdeckung für bestimmte Mittelformat-Workflows gibt – aber das macht es nicht zu einem Mittelformat-Objektiv im Design oder in der Absicht.
Kann ich IronStar an anderen Mittelformat-Kameras außer der GFX verwenden?
Die gleichen Prinzipien gelten für andere Mittelformat-Kameras, aber die tatsächlichen Ergebnisse hängen von der Sensorgröße der Kamera, ihren Video-Crop-Modi und davon ab, ob man im Crop- oder anamorphotischen Format filmt. Prüfen Sie immer, ob der spezifische Aufnahmemodus mehr vom Sensor nutzt als die üblichen Video-Crops der GFX.
Bekomme ich Vignettierung, wenn ich Open Gate am GFX100 II filme?
In den meisten Praxistests nein – denn selbst Open Gate am GFX100 II verlangt keine Bildkreisabdeckung bis zur vollen Sensor-Diagonale von 54,8mm, und der 46mm Bildkreis des IronStar deckt den tatsächlich genutzten Bereich bequem ab. Die Ergebnisse können je nach Brennweite leicht variieren, daher lohnt es sich, das eigene Setup vor einem bezahlten Auftrag zu testen.
Funktioniert der 46mm Bildkreis bei der anamorphotischen Entzerrung bei allen Brennweiten im IronStar-Set?
Der 46mm Bildkreis des IronStar bietet mehr Abdeckungsreserve als typische Vollformat-Objektive, und diese Reserve gilt für das gesamte IronStar-Set. Dennoch sollte man die Abdeckung bei der jeweiligen Brennweite und dem Crop-Modus immer überprüfen, da das Verhalten in den Ecken von Objektiv zu Objektiv innerhalb eines Sets leicht variieren kann.

SIRUI IronStar T1.9 1,5x Vollformat-Anamorphot Cine-Objektiv
Das IronStar 1,5x Vollformat-Anamorphot-Set deckt jetzt sechs Brennweiten ab – 35mm, 45mm, 60mm, 75mm, 100mm und 135mm – von Weitwinkel bis Tele, mit einer 100mm Makro-Option und einem benutzerwechselbaren PL/EF-Mount.
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