Im Februar 2026 kündigte Sigma die Entwicklung des 85mm F1.2 DG an. | Art auf der CP+ 2026 und vervollständigt damit seine Reihe von F1.2-Art-Festbrennweiten neben den 35-mm- und 50-mm-F1.2-Objektiven. Die Ankündigung stellt Porträtfotografen erneut vor eine bekannte Frage: Macht eine zusätzliche Blendenstufe Licht und eine geringere Schärfeebene ein F1.2-Objektiv tatsächlich deutlich besser als ein hochwertiges F1.4, oder ist der praktische Unterschied kleiner, als das Marketing suggeriert? Das SIRUI Aurora 85mm F1.4 bietet einen nützlichen Vergleichspunkt, da es die wesentlichen Vorteile einer lichtstarken 85-mm-Festbrennweite bereits zu einem Bruchteil der Investition liefert.
Warum gilt 85 mm als klassische Porträtbrennweite?
Die Brennweite von 85 mm ist für Porträts beliebt, weil sie Gesichtsproportionen natürlich wiedergibt und den Hintergrund bei einem angenehmen Aufnahmeabstand komprimiert. Dadurch wird die übertriebene Perspektive weitwinkliger Objektive vermieden, während der Fotograf nah genug bleibt, um das Motiv problemlos anzuleiten.
Dieser moderate Arbeitsabstand ist auch am Set praktisch. Er bietet genügend Platz für Beleuchtungsequipment und Reflektoren, ohne den Fotografen dazu zu zwingen, Anweisungen quer durch den Raum zu rufen, und eignet sich gleichermaßen für Kopfporträts, Halbporträts und Umgebungsaufnahmen, bei denen das Motiv klar im Mittelpunkt bleibt. Das ist einer der Gründe, warum 85-mm-Festbrennweiten unabhängig von der maximalen Blendenöffnung bei Hochzeits-, Event- und kommerziellen Porträtaufnahmen weiterhin zum Standard gehören.
Was bringt F1.2 tatsächlich?
F1.2 liefert gegenüber F1.4 ungefähr 2/3 Blendenstufe mehr Licht und eine etwas geringere Schärfentiefe, aber keinen dramatischen Sprung bei der Hintergrundunschärfe. Deutlicher bemerkbar machen sich die Vorteile bei der Verschlusszeit unter schlechten Lichtbedingungen und beim allmählichen Übergang des Hintergrunds in die Unschärfe.
Bei typischen Porträtabständen ist der Unterschied bei der Hintergrundtrennung zwischen F1.2 und F1.4 eher subtil als grundlegend, da die Schärfentiefe auch stark von der Entfernung zum Motiv und zum Hintergrund geprägt wird. Wo F1.2 tatsächlich hilft, sind schlecht beleuchtete Veranstaltungsorte: Das zusätzliche Licht ermöglicht eine kürzere Verschlusszeit oder einen niedrigeren ISO-Wert und sorgt für eine etwas weichere Übergangszone an den Rändern des Motivs. Für Fotografen, die bereits regelmäßig mit F1.4-Festbrennweiten arbeiten, ist der Schritt zu F1.2 eher eine Verfeinerung als eine völlig neue Dimension der Möglichkeiten des Objektivs.
Wie schlägt sich das Sigma 85mm F1.2 im Vergleich zum SIRUI Aurora 85mm F1.4?
Das Sigma 85mm F1.2 DG | Art richtet sich an Fotografen, die die größtmögliche Blendenöffnung bei 85 mm wünschen und bereit sind, dafür einen Preis auf professionellem Niveau zu zahlen. Das SIRUI Aurora 85mm F1.4 deckt die meisten Anwendungsbereiche ebenso ab, kostet aber nur einen Bruchteil und bietet eine leichtere, reisefreundlichere Bauweise.
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes handelt es sich beim Sigma 85mm F1.2 lediglich um eine Entwicklungsankündigung. Sigma hat ein Dual-HLA-Autofokussystem und eine geplante Markteinführung im September 2026 für L-Mount und Sony E-Mount bestätigt, Gewicht, Abmessungen und Preis wurden jedoch noch nicht veröffentlicht. Die folgende Tabelle vergleicht die bestätigten Angaben zu beiden Objektiven.
| Merkmal | Sigma 85mm F1.2 DG | Art | SIRUI Aurora 85mm F1.4 |
| Brennweite | 85 mm | 85 mm |
| Maximale Blendenöffnung | F1.2 | F1.4 |
| Sensorabdeckung | Vollformat | Vollformat |
| Bajonettoptionen | L-Mount, Sony E | Sony E, Nikon Z, L-Mount, Fujifilm X |
| Autofokus | Dual HLA (High-response Linear Actuator) | AF mit Schrittmotor sowie Augen-AF und Objektverfolgung |
| Filtergewinde | 82 mm | 67 mm |
| Gewicht | Noch nicht bekannt gegeben | 540 g (E-Mount) |
| Verfügbarkeit | Entwicklungsankündigung; Markteinführung im September 2026 geplant | Derzeit verfügbar |
| Preis | Noch nicht bekannt gegeben | 449 $ (UVP 599 $) |
Sigmas Dual-HLA-System und das größere Frontelement mit 82 mm deuten auf ein Objektiv hin, das bei F1.2 auf maximale optische Leistung ausgelegt ist und sich an Fotografen richtet, denen kompromisslose Schärfe und Hintergrundfreistellung wichtiger sind als Größe und Preis. Das Aurora 85mm F1.4 hält das Gewicht dagegen bei 540 g und kombiniert ein 67-mm-Filtergewinde mit Augen-AF und Objektverfolgung. Dadurch lässt es sich leichter einen ganzen Tag mitnehmen oder für Videoaufnahmen mit einem Gimbal verwenden.
Lohnt sich die zusätzliche Blendenstufe von F1.2 trotz der höheren Kosten?
Für die meisten Porträtfotografen bietet F1.4 bereits eine starke Motivfreistellung, zuverlässige Leistung bei wenig Licht und eine natürliche Wiedergabe von Gesichtern – damit ist der Großteil der alltäglichen Porträtarbeit abgedeckt. F1.2 lohnt sich vor allem für Fotografen, die die absolut geringste Schärfentiefe benötigen oder professionell unter sehr schlechten Lichtbedingungen fotografieren.
Gewicht und Preis sind die andere Hälfte der Gleichung. Ein leichteres, erschwinglicheres F1.4-Objektiv wie das Aurora lässt sich für Fotografen, die neben Porträts auch andere Genres fotografieren oder sich ihr erstes lichtstarkes Festbrennweitenobjektiv zulegen, leichter rechtfertigen. SIRUI setzt seine Erfahrung mit lichtstarken Autofokusobjektiven auch in anderen Produktreihen ein: Die Sniper-Serie bietet F1.2-Autofokus-Festbrennweiten in fünf APS-C-Brennweiten (16 mm, 23 mm, 33 mm, 56 mm und 75 mm), richtet sich jedoch an ein anderes Sensorformat und einen anderen Anwendungsbereich als ein 85-mm-Porträtobjektiv für Vollformat. Für Porträtaufnahmen mit Vollformat ist daher nicht die Frage entscheidend, welches Objektiv auf dem Papier die größere Blende hat, sondern ob diese zusätzlichen 2/3 Blendenstufen genügend Bilder verändern, um das Mehrgewicht und die Mehrkosten zu rechtfertigen.

Shoot von SIRUI AURORA 85 mm F1.4
Häufig gestellte Fragen
Kann ein F1.4-Objektiv ein ähnliches Bokeh wie ein F1.2-Objektiv erzielen?
Bei typischen Porträtentfernungen weitgehend ja. Der sichtbare Unterschied in der Hintergrundunschärfe zwischen F1.2 und F1.4 ist subtil, da der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund das Bokeh stärker beeinflusst als der Blendenunterschied von 2/3 Stufen.
Eignet sich das SIRUI Aurora 85 mm F1.4 für professionelle Porträtaufnahmen?
Ja. Es bietet eine lichtstarke F1.4-Blende, Augen-AF mit Objektverfolgung und ein leichtes Gewicht von 540 g und eignet sich damit für Porträt-, Hochzeits- und Eventfotografie.
Stellt SIRUI ein F1.2-Objektiv her?
Ja, aber nicht für Vollformat. Die SIRUI-Sniper-Serie bietet F1.2-Autofokus-Festbrennweiten für APS-C-Kameras in fünf Brennweiten (16 mm, 23 mm, 33 mm, 56 mm, 75 mm).
Kann ich das Sigma 85 mm F1.2 und das SIRUI Aurora 85 mm F1.4 derzeit kaufen?
Das SIRUI Aurora 85 mm F1.4 ist derzeit für Sony E, Nikon Z, L-Mount und Fujifilm X erhältlich. Das Sigma 85 mm F1.2 ist noch nicht erhältlich; bislang handelt es sich um eine Entwicklungsankündigung mit geplanter Markteinführung im September 2026.

SIRUI AURORA 85 mm F1.4 Autofokusobjektiv für Vollformat
- Vollformat | f/1,4 bis f/16
- Schnelles Porträt-Teleobjektiv
- AFL-Taste, AF/MF-Schalter, EIN/AUS-Taste
- ASPH.-, ED- und HRI-Elemente
- Blende mit 15 Lamellen
